Wer die Biene nicht ehrt, ist des Honigs nicht wert

Ebersbacher BienenhonigBienen sind besser in Mathe als Vorschulkinder. Sie sind in der Lage, die Null von der eins zu unterscheiden. Also zu erkennen, dass Null gleich Nichts ist, und dass Nichts vor eins, zwei oder drei kommt, wenn man die Zahlen in eine Reihe stellt. Hat man also wieder einmal die Tierwelt gewaltig unterschätzt! Was häufig passiert und was gerade bei den Bienen fatale Folgen haben kann. Denn, wenn es uns nicht gelingt, ihre Lebensräume zu erhalten und Nahrungsquellen zur Verfügung zu stellen, dann werden wir über kurz oder lang im Minus leben.

Honig- und Wildbienen haben eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem
Natürlich ist jedem von uns klar, wie wichtig Bienen sind, dass es ohne sie deutlich weniger Obst und Gemüse gäbe. Und im Gegensatz zu anderen Insekten – die nebenbei gesagt ebenfalls sehr nützlich sind – verjagen und töten wir sie nicht. Damit hat es die Biene zum Beispiel schon einmal besser als die Wespen oder die Spinnen. Und trotzdem greift das Bienensterben um sich. Gärten, in denen gefüllte, überzüchtete Blüten und korrekter englischer Rasen im Vordergrund stehen und das falsche Nahrungsangebot für die Wildbienen, deren Radius deutlich kleiner ist als der anderer Völker, tragen dazu genauso bei wie Feinde, die bei uns eingeschleppt wurden. Ein Alibi-Pflänzchen auf dem Balkon, versehen mit einem Schildchen, auf dem „bienenfreundlich“ steht, ist ein Anfang, genügt aber nicht. Wenn wir wirklich etwas tun wollen für den Erhalt dieser wichtigen Tiere, dann müssen wir uns unsere Gärten und auch die Balkone und Terrassen, die Parks und Grünflächen genauer ansehen, die Lebensräume und das Nahrungsangebot ganzjährig erweitern.

Was macht einen bienenfreundlichen Garten aus?
Als bienenfreundlich gelten Pflanzen wie Bienenkraut (Ysop), Lavendel und Küchenkräuter wie Rosmarin oder Salbei. Wer noch mehr machen möchte und ein wenig Platz übrig hat, der pflanzt einen Japanischen Bienenbaum. Denn der versorgt die Bienen auch noch im Spätsommer mit reichlich Nahrung. Doch all das allein hilft nicht, wenn weiter jedes Unkraut mit Gift bekämpft wird und Insektizide eingesetzt werden, um (vermeintliche) Schädlinge zu bekämpfen. „Unser größter Wunsch – und definitiv ein guter Anfang – wäre, dass der ein oder andere Landwirt mehr blühende Ackerflächen schafft, was ja von den verschiedenen Bundesländern in Form von Förderprogrammen sogar unterstützt wird“, so der Ebersbacher Florian Minderlein, der 2016 seinen Imkerschein gemacht hat und sich jetzt gemeinsam mit Willi Schmitt um ein gutes Dutzend Bienenvölker kümmert. In seinen gesunden und starken Völkern befinden sich in der Hochsaison, also von April bis Ende Juli, circa 50.000 Bienen. Ein verantwortungsvolles und aufwändiges Hobby: „Pro Volk braucht man in der Woche etwa zwei Stunden, allein schon, um genaue Kontrollen durchzuführen. Aber die Zeit mit den Bienen empfinden wir als sehr beruhigend.“

Imkerei ein wichtiger Beitrag zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts
Interessanterweise siedeln sich auch in den großen Städten in den letzten Jahren immer mehr Bienenvölker an bzw. werden bewusst angesiedelt. Nahrung finden sie hier genug. Ihren Nektar und ihre Pollen holen sie sich auf Balkonen, Dachterrassen, auf Friedhöfen, brachliegenden Flächen, in begrünten Innenhöfen, in den Parks und Schrebergärten. Hier ist es oft deutlich abwechslungsreicher als auf dem Land. Das Abernten bereits vor der Blüte, Monokulturen und die Flurbereinigung führen dort nämlich dazu, dass die Bienen zum Teil sogar hungern müssen. Doch alles, was eine Biene schwächt, macht sie anfällig für ihren größten Feind: die aus Südostasien kommende Varroa-Milbe, die den Bienenbestand allein 2017 um etwa 20 Prozent minimiert hat.

Honig gilt als natürliches Antibiotikum mit rund 200 Inhaltsstoffen
Etwas mehr als 800.000 Bienenvölker werden in Deutschland von Imkern betreut, das sind deutlich weniger als noch zu Beginn der 90er Jahre. Die Königin ist das dabei wichtigste Tier im Stock: Sie kann bis zu fünf Jahre alt werden und 2.000 Eier pro Tag legen. Damit sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren kann, wird sie von ihren „Hofdamen“ nur mit dem Besten gefüttert. Pro Tag fliegt eine Biene rund 300 Blüten an, wobei die Arbeitsbienen 40.000 mal ausfliegen, eine Flugstrecke von rund 120.000 Kilometern zurücklegen und schwer am Nektar tragen müssen, um ein Pfund Honig zu produzieren. 25 kg sind es pro Jahr – in denen dann neben Zucker auch noch Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren, Enzyme und viele weitere gesunde Zutaten stecken. Um Honig produzieren zu können und die Blumen zu finden, brauchen Bienen zum einen Mathematik und zum anderen Kommunikation. Können wir Menschen vier Objekte gleichzeitig erkennen, schafft die Honigbiene, die übrigens auch beim Bau ihrer Waben mit mathematischer Genauigkeit arbeitet, immerhin drei. Und orientiert sich mit diesen numerischen Fähigkeiten im Alltag, indem sie sich so die Anzahl von Häusern oder Bäumen merkt und dann den anderen Bienen mithilfe ihres „Tanzes“ mitteilt, wo die besten Blüten zu finden sind.
Jedes Insekt zählt in unserem Ökosystem

Geht es um die Bestäubung von Blüten, dann denken wir automatisch an Bienen. Aber auch, wenn sie einen Großteil der Arbeit übernehmen, so gibt es noch weitere Insekten, die ebenfalls Pollen von Blüte zu Blüte tragen: Schmetterlinge, Motten, Käfer, Fliegen und nicht zu vergessen Wespen. Da die Zahl der Insekten insgesamt zurückzugehen scheint, liegt hier die Hauptgefahr. Die auch Wildbienen trifft, jede zehnte Art ist laut Experten vom Aussterben bedroht – für das häufig alleinlebende Tier gibt es keinen Imker, der nachzüchten kann. Aber wir alle können auch hier unseren Teil beitragen. Zum einen mit der Auswahl der Blumen auf Gärten und Balkonen, zum anderen aber auch, indem wir Rückzugsräume schaffen. Alte Holzstapel zum Beispiel oder auch ein Insektenhotel. Die kann man prima selbst basteln, sie aber auch bereits fertig im Baumarkt kaufen. Das Wichtigste aber ist, sich bewusst zu machen, dass ein Insekt nicht irgendetwas Ekliges ist, das uns das Leben schwer machen will, sondern ein wichtiger Teil in unserem Ökosystem. Um dieses Ökosystem zu erhalten, wurde eine bundesweite Meldeaktion für Insekten ins Leben gerufen. Seit dem 3. Und noch bis zum 12. August werden die Daten über die Artenvielfalt in Deutschland gesammelt und dazu kann jeder beitragen. Einfach an einem sonnigen, trockenen und windstillen Tag einen guten Beobachtungsplatz suchen und innerhalb einer Stunde alles, was krabbelt, fliegt und summt, brummt, schwirrt und surrt aufschreiben. Damit will man nicht nur herausfinden, wie viele Insekten tatsächlich bei uns leben, sondern auch, in welchen Lebensräumen sich welche Arten besonders wohlfühlen. Nicht, dass es uns irgendwann mal so geht wie den Chinesen, die ihre Blüten aufgrund des durch Eingriffe in die Natur hervorgerufenen Bienensterbens inzwischen selbst bestäuben müssen und oft in ihrem ganzen Leben noch keine „echte“ Biene gesehen haben. Ein Arbeiter schafft dabei pro Tag die Bestäubung von circa 30 Obstbäumen. Umgerechnet bräuchte man für die Arbeit eines Bienenvolkes, das pro Tag bis zu 300 Millionen Blüten bestäubt, mehr als 1.500 Menschen. Es lohnt sich also sogar wirtschaftlich, sich für den Erhalt der nützlichen Tierchen einzusetzen. Der Link zum Meldeformular www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/insektensommer/mitmachen/24474.html

Text: sb
Bilder: Florian Minderlein