Ortsdurchfahrt Weiher für Monate gesperrt – Chaos nach Ostern!

Umfahrung Weiher, UttenreuthVon der Sanierung der Ortsdurchfahrt Weiher ist der gesamte Landkreis betroffen. Schon allein deswegen, weil eine Vollsperrung notwendig ist und im Zuge dessen eine riesige Umleitungsstrecke geplant ist, man die Anwohner aller umliegenden Gemeinden mehr oder weniger quer durch Franken schickt, wenn sie nach Erlangen müssen. Und das müssen nun mal viele, denn sie arbeiten da.

Meilenstein der Sicherheit
Sie werden voraussichtlich bis Anfang November dauern, die Arbeiten, die das Staatliche Bauamt Nürnberg für die Staatstraße 2240 geplant hat. Grundsätzlich ist die Idee ja gut: Der schadhafte Asphaltbelag wird nach 30 Jahren endlich ausgetauscht und durch den leiseren Splittmastixasphalt ersetzt. Geh- und Radwege werden durchgängig gemacht, barrierefreie Übergänge und grüne Inseln geschaffen. Hinzu kommt eine bis 2,80 Meter hohe, mit Lärchenholz verkleidete und gedämmte Stützwand, die die Höhendifferenz zu den dahinterliegenden Grundstücken abfangen soll sowie eine Treppenanlage zum Haberndorfer Weg, für die die Fahrbahn an mehreren Stellen schmaler gemacht wird. Alle diese Maßnahmen, so das Staatliche Bauamt, dienen nicht nur der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, sondern auch der Anwohnerschonung. Die dringend notwendig ist, denn rund 11.000 Fahrzeuge passieren diese Strecke täglich.

Zeitliche und finanzielle Belastung
Die Kosten für das Vorhaben sind mit zwei Millionen Euro angesetzt, mehr als die Hälfte davon zahlt der Freistaat. Bleibt aber immer noch fast eine Million. „Uns sind hohe Fördergelder in Aussicht gestellt worden“, freut sich Uttenreuths Bürgermeister Frederic Ruth im Gespräch mit dem Schwabachbogen. „Der Rest wird aus unseren Kassen bezahlt. Das ist ein normaler Vorgang bei Sanierungen.“ Anwohner haben übrigens durchgängig freie Fahrt zu ihren Grundstücken, auch die Beeinträchtigungen beim Busverkehr werden sich laut Staatlichem Bauamt in Grenzen halten. „Der öffentliche Personennahverkehr kann mit geringer Umwegigkeit den Baustellenbereich passieren. Der enge Takt der Buslinien wird auch während der Bauzeit voll aufrechterhalten“, heißt es etwas steif formuliert in einer Pressemitteilung des Amtes. Nur die Autofahrer, die werden in den nächsten Monaten ein echtes Problem haben und ziemliche Umwege in Kauf nehmen müssen, wenn die Straßenader nach Erlangen für sie gesperrt ist. Ausgedacht hat man sich nach langem Hin und Her eine gesplittete Umleitung. „Auch, wenn wir alles ausgelotet haben und versuchen, die Belastung so gering wie möglich zu halten, eine Belastung wird es werden, keine Frage“, gibt Ruth zu. Kommt man von Dormitz muss man über Kalchreuth und Neunhof auf die B4 und fährt dann von hinten über die Kurt-Schumacher-Straße in die Hugenottenstadt. Immer schön den Umleitungsschildern folgend. Kommt man von dort, führt der vorübergehende Weg über Spardorf, Marloffstein, Langensendelbach nach Effeltrich und dann weiter über die 2243 nach Neunkirchen und von da aus nach Dormitz. Sieben Monate lang, wenn der Zeitplan hinhaut – denn das ist effektiv nicht viel Zeit für all die durchzuführenden Maßnahmen. „Geplant ist, dass das Projekt am 4. November abgeschlossen ist.“ Dass das nicht auf den Tag genau funktionieren wird, ahnt auch der Bürgermeister, der in guten Momenten sogar hofft, dass es schneller geht. „Aber bei Baumaßnahmen kann es ja immer zu Verzögerungen kommen.“ Eine echte Geduldsprobe also. Und letztendlich ja auch nicht nur für Freistaat und Uttenreuth teuer, sondern auch für alle betroffenen Autofahrer, denn die weitläufige Umfahrung wird zunächst mal ziemlich ins Geld gehen. Einen Teil kann man sich zwar durch die Fahrten zur Arbeit in der Steuererklärung wiederholen – allerdings erst nächstes Jahr. Und es gibt noch einen weiteren Wermutstropfen: Der ein oder andere muss sich deutlich früher auf den Weg machen, wenn er pünktlich bei der Arbeit sein will. Denn mit Staus ist zu rechnen. „Aber die Alternative kann nicht sein, dass wir nicht bauen, schließlich sollen unsere Straßen in einem guten Zustand sein.“

Die Sorgen der Bürger wurden im Vorfeld ernstgenommen
Die Planungen für die Sanierung haben bereits 2007 begonnen. „Eine große Schwierigkeit war lange Zeit, dass wir zunächst nicht über alle Grundstücke verfügen konnten“, so Frederic Ruth, der dafür durchaus Verständnis zeigt: „Wer ist schon gerne bereit, von seinem Garten etwas wegzuschneiden. Aber ich bin froh, dass wir jetzt mit jedem Eigentümer eine gütliche Einigung erzielen konnten.“ Überhaupt war es ihm und allen anderen Planungsbeteiligten wichtig, die Wünsche, Anregungen und Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. „Es gab Bürgerversammlungen und natürlich auch Einzeleingaben von Bürgern. Klagen gab es keine. Es wurde alles ernst genommen und in die Planung, wenn möglich, miteinbezogen.“

UmleitungsplanUmleitungsplan (vergößern durch Klick)

Viele Fragen kommen auf
Wirklich mit seinen Befürchtungen ernst genommen fühlt sich aber nicht jeder Bürger, das zeigt sich an den Reaktionen in Gesprächen, in Leserbriefen oder auf Facebook. Viele Ideen und Spekulationen kommen auf, zum Beispiel der Plan, die Strecke von Rosenbach nach Marloffstein würde eine Einbahnstraße werden. Aus der Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth kommt hierzu ein klares Nein. Auch zur Frage nach der Teilsperrung. Denn diese ist aufgrund der Größe der Gerätschaften nicht möglich. Was allerdings möglich ist, sind verstärkte Kontrollen, so Armin Dierl, Leiter der Polizeiinspektion Erlanger Land. „Uns ist bewusst, dass hier eine Belastung auf die Bürger zukommt. Und auch, dass Ortskundige versuchen werden, Schleichwege zu nutzen. Wir werden gleich ab Montag präsent sein und uns kümmern, soweit es personell möglich ist.“ Eine Schwierigkeit ist, dass mehrere Polizeiinspektionen zuständig sind. „Die Grenze liegt bei Weiher.“ Aber, so Dierl, man steht in engem Kontakt mit Forchheim und Nürnberg. „Beschwerden kommen jetzt schon von überall, auch in Kalchreuth und Effeltrich hat man natürlich Bedenken.“ Sein Vorschlag ist, Fahrgemeinschaften zu bilden. Zusätzlich könnte der eine oder andere den ÖPNV nutzen oder sich im Sommer auch mal aufs Fahrrad schwingen.

Die Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth versucht so gut wie möglich zu informieren, das Sagen aber hat die übergeordnete Behörde in Nürnberg. Besorgte Bürger können sich gerne an das Staatliche Bauamt wenden, vorrangig an Lisa Bauersachs. Die Kontaktdaten der Ansprechpartner sind auf der Internetseite hinterlegt www.stban.bayern.de

Text: sb
Bild: VG Uttenreuth