Kein Gemüse von der Stange

RhabarberRhabarber hat einen unverwechselbaren, leicht säuerlichen Geschmack. Genau deswegen haben in Zeiten, in denen es nicht an jeder Ecke ein Eis zu kaufen gab, die Kinder im Sommer die erfrischenden Stangen aus dem Garten gelutscht. Heute macht man daraus Kompott, Marmelade, Säfte und Kuchen. Und das, obwohl der Rhabarber gar kein Obst ist, sondern ein Gemüse. Sozusagen das fruchtigste Gemüse der Welt. Und weitgereist noch dazu. Denn ursprünglich stammt der Rhabarber aus dem Himalaya, wo man die Heilkraft der Pflanze bereits seit Tausenden von Jahren kennt.

Erst nach dem 16. Jahrhundert gelangte die Pflanze aus dem Himalaya über das russische Zarenreich auch zu uns. Das erste, was dabei über die Seidenstraße in Mitteleuropa vom Rhabarber ankam, war übrigens die getrocknete Variante – rheu barbarum, die fremdländische Wurzel, die vor allem in der damaligen Zeit eine entscheidende Wirkung hatte: Denn durch sie gelang es relativ schnell, Darmparasiten loszuwerden. Die Pflanze wirkt zudem leicht abführend, was ein zusätzliches Einnisten und Vermehren von Würmern im Darm verhindert. Die Ballaststoffe des Gemüses sind gut für die Verdauung und die Inhaltsstoffe der Pflanze eignen sich auch, um Sodbrennen oder einen „Kater loszuwerden.

Eine dankbare Gartenpflanze

Die beste Pflanzzeit für den Rhabarber ist der Oktober, geerntet wird ab dem zweiten Jahr, richtig gut ist er aber erst ab dem dritten. Dazu muss man allerdings seine Blüte früh genug entfernen, denn sonst steckt er in ihre Bildung seine ganze Energie. Der Rhabarber kommt immer wieder, manche Sorten sogar zweimal im Jahr und muss erst nach zehn Jahren zum ersten Mal geteilt werden. Das einzige, was Rhabarber braucht, ist ein feuchter Boden und Sonne – wobei er auch im Halbschatten ganz gut gedeiht, seine essbaren Blattstiele dann aber deutlich dünner sind. Saison hat der Rhabarber ähnlich wie der Spargel von April bis zum Johannistag rund um die Sonnwende. Danach ist der Oxalsäuregehalt in der Pflanze zu hoch und sie sollte nicht mehr geerntet werden. Trotzdem bildet das Knöterichgewächs mit seinen ausladenden Blättern ein schönes Pflanzenbild im Garten und ist nach einer Winterruhe im Frühling wieder eine der ersten, die sich regen.

Großer Ertrag bei minimalem Pflegeaufwand

Rhabarberstangen lassen sich bequem mit der Hand ernten, am besten ohne Messer, um die Pflanze nicht zu verletzen. Es genügt, die Stange um 90 Grad zu drehen und dann an ihr zu ziehen. Auch die Blätter können ganz leicht mit der Hand abgezupft werden, indem man sie einmal in beide Richtungen knickt. Man erkennt, dass der Rhabarber reif für den Verzehr ist, wenn seine Stangen nicht mehr gewellt sind. Vor der Verarbeitung werden zunächst die giftigen Blätter entfernt, danach der Wurzelansatz. Nun zieht man von unten her die faserige Haut gründlich ab. Wer zu viel geerntet hat, kann Rhabarber auch gut bereits in Stücken einfrieren und später – noch gefroren – weiterverarbeiten oder das Gemüse auch einfach ein paar Tage im Kühlschrank aufbewahren. Dazu die Stiele einfach in ein feuchtes Tuch einschlagen.

Niemals die Blätter essen

Etwa einen Quadratmeter Beetfläche braucht der Rhabarber für sich – je nach Sorte. Und Sorten gibt es inzwischen viele. Den „Goliath“ zum Beispiel, dessen Stangen bis zu einem Meter lang werden und viel rotes Fruchtfleisch besitzen, das „Holsteiner Blut“, das einen hohen Zuckergehalt und wenig Säure aufweist oder der „Elmsblitz“, der eine dunkelrote Färbung hat und wie alle sehr roten Sorten ebenfalls nur wenig Oxalsäure bildet. Denn die ist es, die den Rhabarber in großen Mengen ungenießbar macht. Besonders viel Oxalsäure ist in den ausladenden Blättern der Pflanze zu finden, die nicht verzehrt werden sollten, da es sonst zu Magen-Darm-Problemen und zu Vergiftungserscheinungen kommt. Aber auch in kleinen Mengen kann sich die Säure, die das Risiko für Blasen- und Gallensteine erhöht, bereits bemerkbar machen. Zum Beispiel, indem sich ein pelziges Gefühl auf den Zähnen einstellt.

Rhabarber ist sehr vielseitig

Die einfachste Möglichkeit, die Oxalsäure auszuschalten, ist das Kochen oder Garen. So kann man vermeiden, dass die Säure sich unter anderem mit dem körpereigenen Kalzium verbindet und dieses so entzieht. Richtet man den Rhabarber mit Milchprodukten an, dann trickst man sozusagen, weil sich dann das Milchkalzium anbietet und die eigenen Reserven in Ruhe gelassen werden. Rhabarber mit leicht gezuckertem Joghurt oder Sahne ist daher optimal. Besonders lecker schmeckt auch eine Kombination aus Erdbeeren und Rhabarber, vielleicht auch deswegen, weil es beides nicht das ganze Jahr über zu genießen gibt und es dadurch etwas Besonderes ist. Die klassischen Gewürze dazu sind Zimt und Vanille, aber auch Ingwer und Pfeffer passen gut. Und wer mal etwas ganz Neues ausprobieren will, der isst die Pflanze als das, was sie eigentlich ist: ein vitaminreiches Gemüse. Das zum Beispiel gut zu Schweinfilet oder Braten passt.

Text: sb
Bild: R by H.D.Volz@pixelio.de