Feuer und Flamme für Neunkirchen am Brand

Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen am BrandWenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann – schon kleine Kinder spüren, dass das ein Beruf ist, der wichtig ist für die Gemeinschaft. Eine Studie hat sogar gezeigt, dass Feuerwehrleute das höchste Ansehen genießen, noch vor Ärzten und Polizisten. Umso erstaunlicher, dass Feuerwehrmann und natürlich auch Feuerwehrfrau ein Beruf ist, den kaum einer tatsächlich als Beruf ausübt. Stattdessen sind 96 Prozent aller Feuerwehrleute in Deutschland Ehrenamtliche und opfern ihre Freizeit für das Wohl der Gemeinschaft. In Bayern zum Beispiel gibt es 7 Berufswehren und über 7.700 freiwillige Feuerwehren.

„Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit“ lautet daher auch das Motto der Freiwilligen Feuerwehr in Neunkirchen am Brand. Und das schon seit 1870, als die erste organisierte Feuerwehr in dem kleinen Ort die vorherige Bürgerwehr ablöste. Kaum ein Ort in der Umgebung war damals so stark durch Brand gefährdet wie die Marktgemeinde. Der durch Mauern umschlossene Ortskern, vor allem der innere und der äußere Markt mit seinen vielen Fachwerkgebäuden, waren dauerhaft bedroht. Heute ist der Brandschutz deutlich besser, doch retten, löschen, bergen und schützen sind nach wie vor die Aufgaben der FFW, bei der derzeit zwei Frauen und 45 Männer aktiv sind. Um effektiv arbeiten zu können, zählen Kameradschaft und Zusammenhalt, denn jedes Truppmitglied muss sich bei einem Einsatz bedingungslos auf die anderen verlassen können. Das ist auch das, was Aaron so begeistert. Er ist 15 und seit einigen Wochen Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Nürnberg. Aaron mag die Uniform, er findet die Fahrzeuge faszinierend, aber was ihn besonders stolz macht: „Die trauen mir was zu und lassen mich auch jetzt schon kleine Aufgaben übernehmen.“ Das gibt dem sonst eher schüchternen Jungen Selbstbewusstsein.

Jugendwehr: spielerisches Vorbereiten auf den aktiven Dienst
Es gibt zahlreiche Gründe für den Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr. Man leistet einen wichtigen Teil für die Gesellschaft, übernimmt Verantwortung, ist Vorbild und vor allem die Technik- und Fahrzeugfans kommen voll auf ihre Kosten. Aber das ist nicht alles. Viele suchen auch den Adrenalinkick, den die Tätigkeit mit sich bringt. Man weiß bei einem Einsatz nie, was einen erwartet, es muss schnell gehen, mit vollster Konzentration. Und auch, wenn es darum geht, eine gute Lehrstelle zu ergattern, kann eine ehrenamtliche Tätigkeit wie diese ein Türöffner sein. Viele Arbeitgeber sehen darin bei einem Bewerber einen entscheidenden Vorteil, denn so hat der Kandidat bereits Sozialkompetenz bewiesen.
Acht Jahre alt muss man mindestens sein, um der Feuerwehr beizutreten. Und dann darf man natürlich noch lange nicht an die Schläuche, sondern übt erst jahrelang. Zum einen den Umgang mit den teilweise komplizierten Gerätschaften, zum anderen natürlich den kameradschaftlichen Umgang. Denn funktionieren kann es nur, wenn es innerhalb der Gruppe funktioniert. „Die Kinder lernen bei uns, im Team zu arbeiten, praktisch zu denken und logische Abläufe zu verstehen, wobei das ‚Selbermachen‘ ein wichtiger Punkt ist“, erklärt Robert Landwehr. In Wettkämpfen wird das Erlernte dann ganz spielerisch eingesetzt. Und bei Unternehmungen wie gemeinsamen Kanufahrten, Klettergarten oder Zeltlager wird die Sozialkompetenz noch zusätzlich trainiert. „Bei uns wird nicht immer nur der Schlauch aufgerollt. Und die Mädchen müssen dasselbe leisten wie die Buben, da machen wir keine Unterschiede.“ Doch der Feuerwehrkommandant ist realistisch: Mit acht sind viele noch im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme, aber letztendlich bleiben von 20 Kindern vielleicht 4 oder 5, die später in den aktiven Dienst wechseln.“ Umso dringender wird Nachwuchs benötigt.
An Brandherde oder zu anderen Einsätzen dürfen die Jungs und Mädels aber noch nicht. „Das wäre viel zu gefährlich. Erst mit 16 Jahren, aber frühestens wenn man die etwa einjährige Grundausbildung hinter sich hat, darf ein Jugendlicher mit und selbst dann bleibt er immer außerhalb des Gefahrenherdes, dafür sorgt der Einsatzleiter.“

Gutes tun verschafft auch ein gutes Gefühl
Denn bei den rund 80 Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr in Neunkirchen am Brand, die pro Jahr geleistet werden, werden nicht nur verängstigte Kätzchen vom Baum geholt oder überflutete Keller ausgepumpt. Da kann es durchaus mal sein, dass ein Brand zur Gefahr für Leib und Leben wird, ein Unfall schlimme Folgen hat oder man anderen Feuerwehren im Katastrophenschutz zur Seite steht. Die Feuerwehr bekommt in solchen Momenten Dinge zu hören und zu sehen, die nur schwer zu verarbeiten sind. „Da kommt man schon mal ins Grübeln. Für solche Fälle sind bei schwierigen Einsätzen auch immer Seelsorger vor Ort, die sich sowohl um die Betroffenen und ihre Angehörigen kümmern, als auch, wenn nötig, um uns.“
Die Rettung von Mensch und Tier aus Notlagen, das Löschen von Bränden, zum Beispiel auch in Industrieanlagen, Hochwasserschutz, Bergung von Verunglückten und das Beseitigen auslaufender Gefahrstoffe gehören genauso zu den Aufgaben der Feuerwehrleute wie Brandschutzaufklärung und -erziehung, Beratung von Architekten und Bauherren, Sicherheitswachen bei Großveranstaltungen oder die Organisation des Johannisfeuers.
Die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen, übrigens der älteste Verein des Ortes, ist mit modernsten Gerätschaften ausgestattet, um im Ernstfall schnell und professionell Hilfe zu leisten. Damit der Fuhrpark und das gesamte Equipment auf dem neuesten Stand bleiben können, ist die Feuerwehr seit dem Wegfall der Feuerschutzabgabe auf Spenden angewiesen. Mit nur 50 Euro im Jahr kann man Fördermitglied werden und nicht nur die Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen, sondern auch die Feuerwehrleute, die für die Jugendarbeit brennen, finanziell unterstützen.

sb

Weitere Infos finden Sie auf der neu gestalteten Website
www.ffw-neunkirchen.de