Ein bisschen Landleben im eigenen Garten

HühnerMan sitzt im Sommer auf der Terrasse, rund um einen herum flattern Schmetterlinge, summen Bienen, gackern Hühner zufrieden vor sich hin – was für eine idyllische Vorstellung. Jetzt noch ein schönes Stückchen Kuchen – gebacken aus den Eiern, die im eigenen Garten gelegt wurden. Mehr bio geht kaum.

Immer mehr Menschen kommen auf die Idee, sich ihre eigenen Hühner zu halten. Aber ganz so einfach ist das nicht. Das fängt schon mal damit an, dass man für einen fest in den Garten integrierten Hühnerstall vielerorts eine Baugenehmigung braucht. Sollen die Hühner frei im Garten oder auf dem Hof herumlaufen, dann rechnet man mindestens 20 Quadratmeter pro Huhn an Freifläche. Zumindest wenn man nicht möchte, dass der Garten in Null-Komma-Nix aussieht wie ein Feld. Haben die Tiere allerdings genug Platz, dann kratzen sie das Moos aus dem Rasen, verspeisen Schädlinge und düngen dabei auf natürliche Weise.

Ich wollt‘, ich wär ein Huhn – ich hätt nicht viel zu tun
Doch wo bekommt man seine Hühner eigentlich her? Die meisten Hennenliebhaber holen ihre Hühner bei lokalen Züchtern. Wer gerne eine der jetzt wieder modernen alten Hühnerrassen haben möchte, der kann auch mal bei der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ nachfragen oder im Freilandmuseum. In der Regel kostet so ein Huhn gerade mal zehn Euro. Prachtexemplare, die sich auch zur Zucht eignen, kommen aber auch schon mal auf 20 Euro oder mehr. Nicht in jeder Gemeinde oder Stadt muss die Hühnerhaltung übrigens genehmigt werden, aber wenn, ist die Genehmigung unter anderem davon abhängig, ob es sich um ein Privatvergnügen oder um gewerbsmäßige Nutzung handelt. Meldepflichtig ist das Federvieh aber auf jeden Fall und geimpft werden muss es auch.

Die Kosten für die Hühnerhaltung lassen sich nicht so einfach beziffern und sind unter anderem davon abhängig, welche Rasse man in seinem Garten haben möchte, wie weit man bei der Parasitenbekämpfung geht und wie „bio“ man seine Gartenbewohner ernährt. Füttern kann man zum einen ein gekauftes Alleinfutter, zum anderen kann man freilaufende Hühner aber auch ihr Futter zum Teil selbst suchen lassen: Insekten, Fallobst, Kräuter – manchmal ist sogar eine kleine Maus dabei, die den Eiweißbedarf des Gefieders deckt. Ist das nicht möglich, so brauchen Gehege-Hühner immer mal wieder ein Portion Mehlwürmer oder Hackfleisch, um gesund zu bleiben.

Dann legt‘ ich jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei
Ein Huhn sollte niemals alleine leben, sonst wird es unglücklich. Hühner brauchen Gesellschaft und bei ihnen herrscht eine strenge Hackordnung. Wer am höchsten sitzt, ist der Chef. Oder die Chefin, wenn es keinen Hahn gibt bzw. dieser noch zu jung zum „Regieren“ ist. Hat man einen Hahn für seine Hühnerschar und lässt man den Hühnern ihre Eier, dann wird die eine oder andere „brütig“ werden. Das erkennt der erfahrene Hühnerhalter daran, dass sie den ganzen Tag im Nest sitzen bleibt und so kleine Glucklaute von sich gibt. Jetzt braucht die Glucke Ruhe und möglichst ein Nest für sich allein, am besten abgedunkelt mit etwas Stoff. Dann dauert es nur drei Wochen und die Küken sind geschlüpft. Wer das übrigens mal bewundern möchte, ohne sich gleich eine Hühnerschar anzuschaffen, der kann den Schlüpfvorgang noch bis zum 8. April im Kindermuseum in Nürnberg bewundern.

Aber nur um ein Ei zu legen, braucht ein Huhn keinen Hahn. Der ist, was das angeht, lediglich fürs Befruchten da. Die Zahl der Eier ist von Geburt an festgelegt. Sie werden in regelmäßigen Abständen produziert und im Rahmen des Zyklus ausgeschieden. Wobei der Zyklus beim Huhn gerade mal 25 Stunden dauert. Ein Ei am Tag ist bei einer jungen Henne durchaus drin, mit zwei Jahren allerdings lässt diese Legeleistung bereits ein bisschen nach, je nach Rasse können es auch etwas mehr Jahre sein. Es macht also Sinn, eine Altersmischung herzustellen, um immer frische Eier zu haben.

Ein bisschen Schwund ist immer
Wo ein Garten ist, da sind auch andere tierische Bewohner nicht weit. Und da kann es schon mal passieren, dass Fuchs oder Marder sich Chicken Nuggets gönnen. Dem kann man mit entsprechenden Zäunen entgegenwirken, gegen einen Greifvogel aber hilft nur ein Hahn. Den allerdings mögen in der Regel die Nachbarn nicht so, vor allem, wenn sie gerne mal ausschlafen. Die Justiz kann ein Lied davon singen. Da gibt es Urteile, die dem Hahn zum Beispiel verbieten, in der Mittagszeit zu krähen – dass die Hühnerscharbesitzer Schwierigkeiten haben, dies dem Federvieh zu erklären und weiterer Ärger vorprogrammiert ist, liegt auf der Hand. Übrigens: Was auf dem Dorf an Tiergeräuschen aufgrund der Erwartbarkeit noch geduldet werden muss, gilt in der Stadt zum Beispiel schon ganz schnell als störender Krach. Am besten vorher mit den Nachbarn klären, damit aus idyllisch nicht nervig wird.

Hühnerhaltung auf Probe
Beim Baumarkt kann man sich Werkzeug mieten, im Elektronikfachmarkt die VR-Brille, beim Babymarkt den Kinderwagen – und bei Rent-a-Chicken oder ähnlichen Anbietern Hühner. Eine feine Sache für all diejenigen, die sich gerne mal als Hühnerhalter ausprobieren möchten, denn in Anbetracht dessen, dass so ein Huhn durchaus zehn Jahre leben kann, sollte man sich die Anschaffung schon gut überlegen. Und auch die Nachbarn können so schnell besänftigt werden, ist der Spuk doch nach kurzer Zeit wieder vorbei. Und wenn man sie dann mit ein paar Öko-Eiern aus eigener Haltung besticht, dann lassen sie sich vielleicht doch noch umstimmen.

Bild und Text: sb