Die Rückkehr der Wölfe

WolfEr verspeist liebenswürdige alte Großmütter und gilt als bösartig und hinterlistig. Wenn einer schon Isegrimm heißt und als Werwolf erscheint, dann kann das ja nichts Gutes bedeuten. Oder doch? Wird der Wolf, der sich auch in Mittelfranken langsam wieder auszubreiten beginnt, und auch schon bei uns in der Nähe gesichtet wurde, zu Unrecht verurteilt?
Aus mythischer Verbundenheit wird erst Angst, dann Hass.

Die Gebrüder Grimm haben ihren Teil dazu beigetragen, dass sich in unseren Köpfen von klein auf das Bild des großen, bösen Wolfs eingenistet hat. Gier, Rücksichtslosigkeit und unsägliche Brutalität werden ihm nachgesagt. Und Nachrichten von böse zugerichteten Schafsherden, wie gerade in Sachsen geschehen, machen es nicht besser. Dabei wurde das edle und geschmeidige Tier viele Jahrhunderte lang zutiefst bewundert. In Namen wie Wolfgang oder Ulf spiegelt sich dieser Respekt noch heute wider. Der Wolf galt als Vermittler zwischen dem Hier und der Geisterwelt, als Ursprung von Völkern und zahlreiche Geschichten erzählten davon, dass Wolfsweibchen Menschenkinder gesäugt und damit vor dem sicheren Tod gerettet haben. Im Mittelalter kippte das Verhältnis zwischen Wolf und Mensch und das früher am weitesten verbreitete Raubtier der Erde wurde seitdem systematisch ausgerottet. 1882 wurde der letzte Wolf in Bayern getötet und es gelang nur sehr wenigen Tieren, sich in den Tiefen Osteuropas zu verstecken.

Jäger erwarten die Rückkehr
Hunderte von Kilometern muss das Tier heute wandern, bis es auf einen Gefährten trifft. Doch die Strecken werden kürzer. In Bayern gibt es bereits wieder wildlebende Wolfsfamilien, rund um Grafenwöhr zum Beispiel und auch bei uns in Mittelfranken, im Veldensteiner Forst. Der erste Nachwuchs seit mehr als 100 Jahren kam 2017 auf die Welt und wurde durch Fotofallen entdeckt. Zu Gesicht bekommt man die Tiere ziemlich sicher nicht. Denn Wölfe sind nicht nur sehr intelligent, sie sind auch extrem scheu. Das Tier riecht, hört und sieht uns lange bevor wir auch nur in seine Nähe kommen und wird sich so schnell wie möglich in die Tiefen der Wälder zurückziehen. Das Bayerische Landesamt für Umwelt geht davon aus, dass wir derzeit rund 60 Wolfsrudel in Deutschland haben, wobei ein Rudel aus fünf bis 15 Tieren besteht. Hauptnahrung sind Hirsche, Rehe und Wildschweine sowie Kleintiere wie Biber, Eichhörnchen, Füchse und Hasen.

Der Mensch steht nicht auf dem wölflichen Speiseplan
Stephan Keilholz vom Forstamt Forchheim hat selbst bereits einmal einen Wolf ganz in der Nähe gesehen. Genau wie andere Jäger aus dem Gebiet. „Es war direkt angrenzend an Weilersbach. Das Tier hatte ein deutlich höheres Stockmaß als zum Beispiel ein Hund, war ganz ruhig und hat sich nicht irritieren lassen.“ Der Forstbetriebsleiter geht davon aus, dass immer wieder mal ein einzelner Wolf das Revier durchquert. „Sie überqueren auf ihrer Suche nach Gefährten sogar Autobahnen.“ Bisher sind die Wölfe hier bei uns in der Forchheimer Gegend zwar noch nicht standorttreu geworden, das kann sich aber ändern. „Der Wolf hat das Recht, in seine früheren Lebensräume zurückzukehren. Aber man muss es steuern, denn sonst kommt es gerade im näheren Umkreis von Großstädten zu Konflikten“, so Keilholz. Sollten Sie bei Ihrem Sonntagsspaziergang tatsächlich eines der seltenen Tiere sichten, dann ist es zunächst gut zu wissen, dass der Wolf zwar kein Veganer ist, Menschen aber nicht zu seinem Speiseplan gehören. Seitdem die Wölfe wieder in Deutschland leben, hat es keinen einzigen Angriff auf einen Menschen gegeben. Bleiben Sie also stehen und verhalten Sie sich ganz ruhig. So geben Sie dem Tier die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Und melden Sie das Tier unbedingt dem Bayerischen Landesamt für Umwelt, denn dort werden die Sichtungen gesammelt und überprüft.

Wildkameras haben die Tiere im Blick
Entscheidend ist, dass sich Mensch und Wolf nicht ins Gehege kommen, denn natürlich schmeckt dem Lupus auch mal ein Schaf oder eine Ziege, wenn es nichts anderes gibt. „Letztendlich zählt für so ein Tier immer, wie viel Energie brauche ich, um an meinen Braten zu kommen“, erklärt Stephan Keilholz. Er hält es für sinnvoll, dass ein Wildtiermanagement und spezielle Herdenschutzhunde darauf achten, dass das Zusammenleben gut funktioniert und Entschädigungsfragen gar nicht erst aufkommen. Es braucht ein Verhalten jenseits von übertriebener Romantik auf der einen Seite und Hysterie auf der anderen. Man muss abwägen zwischen Artenschutz und dem Schutz der Menschen sowie ihrer wirtschaftlichen Interessen.

Es ist verboten, einen Wolf zu fangen, zu verletzen oder zu töten bzw. seine Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Das Tier steht unter strengem Naturschutz. „Das wissen die Jäger auch“, so der Forstbetriebsleiter. „Da müsste einer schon direkt nachweisen können, dass der Wolf im Begriff war, ihn zu fressen, damit er davonkommt.“ Kann er das nicht, dann drohen Strafen von bis zu 50.000 Euro und sogar Gefängnis.

Text: sb
Bild: Markus Walti@pixelio.de