Der Bock allhier ist das wahre Bier

BockbierEs waren mal wieder die Mönche, die im späten Mittelalter auf die Idee kamen, besonders sättigendes Bier zu brauen. Schließlich mussten sie ja mit dem „flüssigen Brot“ die Arbeitsfähigkeit während der Fastenzeit erhalten.

Mit dem Fasten haben es viele moderne Franken ja nicht mehr so, aber für das Fastenstarkbier ist man dankbar – denn obwohl es technologisch heute das ganze Jahr über möglich wäre: Starkbiersaison ist dann, wenn Biergartensaison und Kirchweihen vorbei sind. Vor allem in Oberfranken rund um Bamberg sind die alljährlichen Starkbieranstiche ein gefragtes Event, gerade in den kleineren Brauereien. Der Klassiker aber ist der Starkbieranstich am Nockherberg, bei dem Politiker sich kabarettistisch einiges gefallen lassen müssen.

Ein Bockbier ist ein sogenanntes Starkbier mit einem ziemlich hohen Stammwürzegehalt. Die Stammwürze ist dabei der Anteil aller Inhaltsstoffe, die vor der Gärung in der Würze gelöst werden. Dazu gehören Malzzucker, Vitamine, Mineralien und Eiweiß. Die Braumeister sprechen geheimnisvoll von über 16 Grad Plato – und meinen damit die Einheit des Stammwürzegehalts, der sich, vereinfacht gesagt, im Vergleich zu einer Saccharose-Lösung errechnet. Um das Bier, das früher auch als Zahlungsmittel diente, über weite Strecken transportieren zu können, gibt es die Variante mit einem besonders hohen Stammwürzegehalt: den Doppelbock. Da auch die Höhe des Alkoholgehalts mit der Stammwürze zusammenhängt, ist der Doppelbock besonders hochprozentig. 14 Prozent sind da durchaus drin.

Es gibt das Bockbier in allen möglichen Varianten: als Maibock, als Festbock, als Winter- oder Weizenbock, in hell und in dunkel, mit einem cremigen, dunklen Schaum. Bockbier ist dickflüssig und süß, manchmal sogar ein bisschen karamellig – immer mit der Beinote des Bittren durch den eingebrauten Hopfen. Das macht es süffig und bei seinem Alkoholgehalt von mindestens sechs Prozent ohne deftige Brotzeitgrundlage auch „gefährlich“.

Auch, wenn auf den Etiketten mancher Bockbiere ein Ziegenbock, manchmal auch ein Schafbock abgebildet ist – mit Vierbeinern hat das Ganze gar nichts zu tun. Das Bier kommt nämlich eigentlich aus dem Norden, aus der Stadt Einbeck in Niedersachsen. Aus dem Einbecker Bier wurde ein Ainpöckisch Bier, dann ein Ainpöck und schließlich ein Bock. Natürlich dauerte es nicht lange, bis man auch in Bayern dieses spezielle Bier nachbraute und der Orden der Paulaner-Mönche machte den Doppelbock für alle zugänglich. Der „Salvator“ – zu Deutsch „Retter“ – gilt als Namensgrundlage für alle nachfolgenden Doppelbockbiere, die auf ihren Etiketten bis heute oft die gleiche Endung tragen: Animator, Speziator, Aloisiator, Apostulator, Fuchsikator – die Liste ist lang und reicht bis zum Zauberator bei Asterix und Obelix.

Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte übrigens einmal den Eisbock probieren. Wie viele Leckereien entstand er durch Zufall. Ein Brauergeselle soll anno dazumal in Kulmbach Fässer mit Bockbier im Freien vergessen haben. Es war Winter und das Bier bzw. das Wasser darin gefror in seinem Holzmantel. Zur großen Überraschung des Braumeisters war nach Abschlagen des Eises das übriggebliebene Bier nicht nur trinkbar, sondern sogar besonders schmackhaft. Heute noch wird der Eisbock nach alter Tradition gebraut: Das Bier wird vereist und das gefrorene Wasser dann entfernt, wodurch der Alkoholgehalt prozentual noch mal um einiges ansteigt.

Wer gerne alkoholfreies Bier trinkt, für den ist der Bock allerdings nichts. Er wird bei der Frage nach der alkoholfreien Variante im besten Fall Kopfschütteln und im schlimmsten Fall schallendes Gelächter ernten. Denn Alkohol gehört da rein. Einem Bierbrauer aus Gunzenhausen ist es sogar gelungen, ein Bier zu brauen, dessen Alkoholgehalt bei 57,5 Prozent lag – dem Zehnfachen eines normalen Biers. Es gab davon gerade mal 36 Flaschen zum stolzen Preis von 200 Euro. Die einzigen, die mit noch mehr Alkohol im Bier klarzukommen scheinen, sind die Schotten. Sie haben ein Bier, das 67,5 Prozent Alkohol in sich trägt und bei dem man angeblich schon vom Geruch einen sitzen hat.

Die aktuellen Termine für die Bockbieranstiche in der Region finden Sie unter www.bockbieranstiche.de und uns vom Schwabachbogen bleibt dann nur noch ein herzliches Prost.

sb

Bild: Václav Mach@Fotolia