Alt wird man von alleine – vorsorgen muss man selbst

Park in Marienbad

Unsere Gesellschaft altert! Der demographische Wandel lässt sich nicht mehr aufhalten! Pflegeheime überfüllt und kein qualifiziertes Personal in Sicht! Demente Oma auf Erbschleicher hereingefallen! So oder so ähnlich klingen Schlagzeilen in letzter Zeit häufiger. Wie so oft spielt die Presse gerne mit der Angst. Aber wer richtig vorsorgt, braucht sich nicht zu fürchten. Und wer schon einmal erlebt hat, was es bedeuten kann, wenn im Fall des Falles nichts vorbereitet ist, weiß, wie erleichternd Ordnung in den Unterlagen ist. Wichtige Dokumente sollten leicht auffindbar, entscheidende Dinge geregelt sein.

Es kommt darauf an, sich rechtzeitig Gedanken zu machen. Am besten dann, wenn man noch mitten im Leben steht. Der erste Schritt: Information und Beratung – so kann man sich am besten ein Bild darüber machen, was man in die Wege leiten kann, soll und will. Und das gilt nicht nur für die finanzielle Vorsorge. Das gilt auch für die Möglichkeit, sich bereits relativ früh schon Hilfe zu holen, wenn es nicht mehr ganz so geht wie früher. Eine große Neuerung in unserem System ist zum Beispiel die Umstellung von drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade. Denn diese berücksichtigen auch geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit. Durch einen Zuschuss zur Haushaltshilfe oder Einkaufsbegleitung wird das Leben erleichtert und so ermöglicht, länger in der gewohnten Umgebung zu bleiben. Vielen älteren Menschen steht aber ihr Stolz im Weg. Man möchte (noch) nicht auf andere angewiesen sein, hat das Gefühl, betteln zu gehen. Hinzu kommt die Hemmschwelle, sich damit auseinanderzusetzen, dass es so langsam aber sicher bergab geht. Gerade bei Demenz oder Alzheimer, wenn Verwandte zum Beispiel eine Betreuung ins Spiel bringen, kommt ein Gefühl der Kränkung dazu. Dabei ist die Betreuung durch eine Person des Vertrauens oft der beste Schutz davor, von Erbschleichern schamlos ausgenutzt zu werden.

Die Patientenverfügung garantiert die Durchführung Ihres Willens
Es kann in jedem Alter passieren, dass man – zum Beispiel aufgrund eines Unfalls – nicht in der Lage ist, zu entscheiden, welche medizinischen Maßnahmen durchgeführt werden sollen. Und vor allem: welche nicht. Trotzdem ist das ein Thema, das viele erst sehr spät angehen bzw. soweit vor sich herschieben, bis es zu spät ist. Dabei ist es ganz einfach: Es gibt zum einen Vordrucke und Broschüren im Internet (zum Beispiel auf der Internet-Seite des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz), zum anderen ist es aber auch möglich, das Schriftstück selbst zu verfassen und genau darzulegen, was man für lebenswert hält und was nicht. Ob handgeschrieben oder per Computer, das macht keinen Unterschied. Wichtig ist, dass der vollständige Name, Datum und Unterschrift vorhanden sind und dass möglichst ein Zeuge den Vollbesitz der geistigen Kräfte attestiert. Der Hausarzt zum Beispiel, der zum einen beraten kann und zum anderen auch wissen sollte, wo das Schriftstück aufbewahrt wird. Eine Beglaubigung durch einen Notar ist nicht notwendig.

Der richtige Umgang mit dem Testament
Genau wie beim Testament, wobei dieses handschriftlich sein muss. Und zwar deswegen, damit im Falle des Anzweifelns ein Schriftgutachter die Echtheit nachweisen kann. Bei sehr unleserlicher Schrift ist es möglich, eine getippte, wortwörtlich gleichlautende Version beizulegen. Nicht fehlen dürfen die Überschrift mit „Testament“ oder „Letzter Wille“, Ort und Datum, eindeutige Angaben zu den Erben sowie ganz unten eine Unterschrift mit Vor- und Zunamen. Eventuelle Änderungen müssen erneut mit Datum unterschrieben werden. Die aktuellste Fassung ist dabei die gültige. Wichtig sind klare Formulierungen, denn vererben ist zum Beispiel nicht das gleiche wie vermachen. Ein Vermächtnisnehmer gehört nicht zur Erbengemeinschaft und teilt damit auch nicht deren Pflichten. Er bekommt lediglich sein aus dem Erbe herausgelöstes Vermächtnis. Ein Schmuckstück zum Beispiel oder ein Auto. Wer sichergehen möchte, dass das eigene Testament nicht unterschlagen wird, der deponiert es beim Amtsgericht, das es dann im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer eintragen lässt. Das kostet nicht einmal 100 Euro und bietet absolute Sicherheit.

Vorsorge ist eine große Erleichterung für die Angehörigen
Manche gehen sogar so weit, dass sie ihre eigene Beerdigung planen. Das ist nicht jedermanns Sache, aber gerade, wenn die Nachkommen nicht besonders wohlhabend sind, kann es durchaus erleichternd sein, wenn das Geld dafür zweckgebunden hinterlegt ist. All das kostet ein paar Stunden und es kostet auch Nerven, sich mit Krankheit, Tod und den Folgen auseinanderzusetzen, vor allem dann, wenn noch kleine Kinder im Spiel sind. Ist es allerdings geschafft, ist alles geregelt, dann ist das auch ein beruhigendes Gefühl – denn schließlich möchte doch niemand seine Liebsten im Fall des Falles in Gewissenskonflikte und Chaos stürzen.

Text: sb
Bild: Harald Ebelt