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Flächenfraß? Nein danke!
Bürgerforum Dormitz und Bund Naturschutz protestierten gegen die geplante Ortsumfahrung
Bei einer Aktion gegen den geplanten Neubau der Staatsstraße 2240 als Ortsumfahrung von Dormitz machten VertreterInnen der Wählervereinigung „Bürgerforum Dormitz” und des Bundes Naturschutz am 16. August mit einer spektakulären Aktion auf den anhaltenden Flächenverbrauch und die Landschaftsverschandelung in Bayern aufmerksam. Die Akteure bedeckten eine landwirtschaftliche Nutzfläche in drei Minuten mit 300 qm weißer Folie. Das entspricht dem ruinösen Flächenverbrauch in Bayern für Siedlungs- und Verkehrszwecke von über 100 qm in einer Minute, Tag und Nacht. Allein in Bayern werden so täglich 16,4 Hektar (22 Fußballfelder) zumeist landwirtschaftlich nutzbarerer Boden überbaut.
Die für Dormitz geplante Ortsumfahrung soll nach Angaben des Staatlichen Bauamtes 1,9 km lang sein und zwei Brückenbauwerke, Dämme bis zu 4,50 m Höhe und tiefe Landschaftseinschnitte aufweisen. Sie wird – ohne Lärmschutzkosten – mit mindestens 9,21 Mio Euro angesetzt. Für das Projekt werden insgesamt 15,13 Hektar veranschlagt. Hier drohen eine gigantische Landschaftszerschneidung für Fauna und Flora und Versperrung der Zugänge in die freien Naherholungsgebiete. „Der Lebensraum an dem uralten Eichenbestand mit seinen seltenen Fledermausarten sowie wertvolle Streuobstbestände mit EU-weit geschützten Vogelarten würde vernichtet”, so Bernhard Birnfeld, 1. Vorsitzender der BN Ortsgruppe Neunkirchen u.U. „Unbekümmert plant man überdies noch ein 4,2 Hektar großes Gewerbegebiet, total unverhältnismäßig zur Einwohnerzahl. Und dies bei ungenutzten Gewerbegebiets-Brachen von bayernweit 13.000 Hektar”, so Tom Konopka, oberfränkischer BN-Regionalreferent. „Wir appellieren an die Bayerische Staatsregierung mit ihrem Staatlichen Bauamt in Bamberg und die Regierung von Oberfranken, der Verschandelung unserer Heimat nicht durch solche Planungen Vorschub zu leisten. Wir bestreiten nicht, dass die Ortsdurchfahrt von Dormitz belastet ist, die Belastung lässt sich aber klüger reduzieren. Dies ist auch schon angesichts des Klimawandels nötig.” Heinrich Kattenbeck, 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Forchheim: „Es gilt verbliebene Naturlebensräume nicht weiter zu schmälern; wir stehen aber auch hier, um Bayerns Schönheit, unsere fränkische Kulturlandschaft und unsere Naherholungsgebiete zu bewahren.”
Die nach der Aktion vom Dormitzer Bürgermeister Schmitt gegenüber der Presse genannten Zahlen von 12.000 Kfz täglich durch Dormitz entsprechen nicht der tatsächlich aktuellen Entwicklung. Fakt ist: Die staatliche Dauerzählstelle 9633 in Uttenreuth weist im Vergleich des Wertes aus der bundesweiten Straßenverkehrszählung 2005 (12.572 DTV) in gleichen Messperioden April bis September des Jahre 2010 eine Abnahme von über 15% aus. Einzelne Monatswerte, so ein Vergleich in den 1. Quartalen 2010 und 2009 zeigen Rückgänge um 13% und dass dort innerhalb von 24 Std. nur noch 9157 Kfz unterwegs waren. Hieraus leitet sich auch für Dormitz kein Anstieg ab und insbesondere bleiben Prognosen im Auftrag Staatlicher Bauämter, die zuvor gerne nochmals 20 – 30% aufsattelten, heute eher realistisch und sprechen vom „Nullwachstum” am Rand des Ballungsraums. Das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung errechnet bis ins Jahr 2029 einen Rückgang der Bevölkerung im Landkreis Forchheim um 2,7%, was für derartiges Grundlage ist. Alleine in Neunkirchen werden im Jahr 2029 ca. 2200 Bürger über 65 Jahre alt sein, derzeit sind es 1560 Personen, was eine weitere Abnahme der morgen- und abendlichen Verkehrsspitzen bedeutet.
Karin Weber vom Bürgerforum Dormitz stellt die Frage: „Wer soll also diese vielen Straßen unterhalten?” Schon jetzt wird über Zusatzbeiträge diskutiert und der Bayerische Oberste Rechnungshof ruft immer lauter nach einer Mittelumschichtung hin zum Straßenerhalt. Die Bevölkerung wird älter, die Steuerzahler und Autofahrer werden immer weniger. Benötigt wird ein leistungsstarkes, attraktives und günstiges Verkehrssystem und das ist und kann längerfristig gedacht nur eine moderne Stadt-Umland-Bahn sein. Viele Städte haben es bereits vorgemacht. Die 9,21 Mio Euro, die die Umfahrung kosten würde, wären sinnvoller in den Umbau der bestehenden Hauptstraße investiert, um die Anlieger zu entlasten:
- Verengung der Straße nach den Richtlinien der Straßenausbausatzung – 9000 Kfz/pro Tag machen dies möglich – sowie eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h, das dauert 2 min länger durch den Ort, aber entlastet die Anwohner.
- Abmarkierung eines Fahrradweges, Parkbuchten und mehreren kindgerechten Querungshilfen auf dem gesamten Verlauf der Hauptstraße
- Ausstattung der Fahrbahn mit Schall absorbierenden Belägen
Wenn die im Staatsbesitz befindliche Hauptstraße nicht jetzt rückgebaut wird, steht zu befürchten, dass eine solche Maßnahme später vollständig zu Lasten der Anlieger umgelegt werden muss und wegen knapper Haushalte nicht mehr über die Städtebauförderung finanziert werden kann. Bereits 2011 wurden die Mittel vom Freistaat für Dormitz gestrichen. Alternativ würde die Straße so bleiben wie sie ist: eine Rennbahn durch Dormitz!
Laut Staatlichem Bauamt soll aufgrund von rund 260 eingegangenen Einwendungen gegen diesen Straßenbau ein erneutes Planfeststellungsverfahren noch im Jahr 2011 eingeleitet werden. Hierbei wird der Bund Naturschutz alle ihm verfügbaren Mittel einsetzen, um das unnötige und obendrein noch belastende Straßenprojekt zu stoppen.
Text BN, Foto: Privat














